Montag, 19. September 2011

Duschen wird überbewertet

Wir sind drauf reingefallen. Obwohl wir es besser hätten wissen können. Die letzten Tage im Zug haben wir nach Moskauer Zeit gelebt, welche identisch zur Petersburger Zeit ist. Die 9 Zeitzonen ignorierend, durch die uns der Ex Baikal Express rattert-und es war so leicht, denn die Uhren wie gesagt im Zug und auf den bahnsteigen und auch zwischen unserer Petersburg-Irkutzk Familie gab es ein stilles Übereinkommen darüber, wann aufgestanden, gegessen und ins Bett gegangen wird. Zeitzonen? Gott bewahre.

So. Und jetzt stehen wir da. Besser: sitzen. Im Strandkorb am Baikalsee mit der Morgenmüdigkeit noch in den Knochen, ungefrühstückt. Und die Abenddämmerung setzt langsam ein. 7 Stunden zu München, 5 zu Petersburg...

Levi mag Omul zum Frühstück. Auch die Weintrauben, die ich dazu reiche schnuckert er weg. Der kleine Staubsauger. Und da merke ich, dass sie mir fehlt. Die Erleichterung. Und die Vorfreude. Auf die Dusche. Nach Tagen der provisorischen Körperpflege auf Basis von Feuchttüchern.

Alle haben mich vor der Abreise mit grossen Augen und schlecht verstecktem Eckel gefragt, wie ich das denn im Zug aushalten wolle. Die Reiseführer sind voller Formulierungen a la: Und dann geniessen sie erst einmal die Dusche...das Hotel hat tolle Duschen...so können sie provisorisch auch im Zug duuuuschen...

Ich liebe es, wenn bei Abenteuerreisen, beispisweise beim Trekken, langsam die Kleidung, dann Haare und ganz zum Schluss auch die Haut Patina bekommt. Urlaubsgebrauchsspuren. Cowboyfeeling. Strassenlook.
Genauso geniesse ich es bei derartigen Urlauben tagelang in diesen Trekkingklamotten rumzuschlunzen.
Eins zu werden mit diesen hanwag boots, north face hosen und arcteryx jacken. Schön. Das ist mein gemütlich auf dem Sofa sitzen Gefühl.Fast wiederwillig wasche ich mir also, als Levi seinen Omul Verdauungsschlaf macht, das Gefühl von Transsib vom Körper.

Als ich später nochmal mit Levi in der Dusche bade und wir gemeinsam über erfolgreich versenkte Duschgeluboote jubeln ist der Abschiedsschmerz fast vergessen. Fast. In mir rattert es noch und auch Levi ist erstaunlich ruhig.

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